Nachdenkliche Töne, aber auch ein klarer Blick nach vorn prägten den Auftakt der MLF-Tagung in Recklinghausen. Stefan Lenk, Vorsitzender des MLF-Vorstands, eröffnete die Konferenz der Top-Lebensmittelhändler mit nachdenklichen Tönen. Er und Hanno Rieger, Vorstandsvorsitzender von Rewe Dortmund, richteten den Blick auf die mittelständische Lebensmittelwirtschaft. Ihre Stärken lägen weiterhin im Unternehmergeist, in Innovationsfreude und in der Nähe zu den Menschen. Doch die Zeiten seien herausfordernd.
Unternehmertum als Unterschied zum Discounter
Lionel Souque, CEO der Rewe Group, betonte in seinem Vortrag: Unternehmertum mache den Unterschied zum Discounter. Entscheidend bleibe zudem die Nähe zum Kunden. Die digitale Transformation umfasse dabei weit mehr als den E-Commerce. Sie betreffe sämtliche Prozesse im Unternehmen.
Künstliche Intelligenz könne Mitarbeitende dabei unterstützen, schneller und fundierter Entscheidungen zu treffen, betonte Souque. Trotz aller technologischen Möglichkeiten seien die Menschen am Ende der wichtigste Faktor.
Im Gastgeberinterview mit Martina Engelhardt-Kramer und Marcus Engelhardt ging es unter anderem um die Bedeutung des Thekengeschäfts. Gerade dort liege ein wichtiger Grund für den Besuch im Supermarkt. Besonders Fleisch bleibe ein wichtiges Standbein.
Gesundheit wird zum Wachstumsthema im Handel
Sebastian Bayer, Geschäftsführer Marketing und Beschaffung bei dm-drogerie markt, rückte anschließend Gesundheit und Prävention in den Fokus. Gesunde Ernährung werde für viele Menschen immer wichtiger. dm sei zwar keine Apotheke geworden, verkaufe aber zunehmend freiverkäufliche Arzneimittel.
Bayer sieht in niedrigschwelligen Gesundheitsangeboten eine Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen wie den Ärztemangel. Blutbilder für 9,90 Euro, Hautanalysen oder Augenanalysen könnten dazu beitragen, Prävention einfacher in den Alltag zu integrieren. Sie machten die Filialen für Kundinnen und Kunden attraktiver – nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen.
Sortimente im Supermarkt wandeln sich
In der Talkrunde „Zukunft Supermarkt – Sortimente im Wandel“ wurde deutlich, wie stark veränderte Konsumgewohnheiten auf die Regalplanung wirken. Julia Schlotmann-Honsel von Edeka Honsel sprach von einer „spannenden Zeit“ für die junge Unternehmergeneration. Zugleich führten unruhige Zeiten zu Kaufzurückhaltung.
Der sinkende Alkoholkonsum zwinge Händler dazu, ihre Sortimente anzupassen. Gefragt seien etwa probiotische Drinks und neue, funktionale Getränkeangebote. Daraus könne auch folgen, dass klassische Getränkeabteilungen kleiner werden.
Zuckersteuer verändert Getränkesektor
Lebensmittelhändlerin Gesa Oetken plädierte dafür, Sortimente schnell und konsequent an den Wünschen der Konsumentinnen und Konsumenten auszurichten. Der Handel müsse Veränderungen im Kaufverhalten früh erkennen und daraus konkrete Konsequenzen für Auswahl, Flächen und Platzierung ziehen.
Zum Abschluss des ersten Kongresstags sprach Martin Rath, Director Key Account Handel bei Coca-Cola Europacific Partners, über den Trend zu zuckerfreien Getränken und mögliche Folgen einer Zuckersteuer. Damit setzte die MLF-Tagung einen weiteren Schwerpunkt auf die Frage, wie der Handel auf neue Gesundheits- und Konsumtrends reagieren kann.






