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Eichbaum als Symbol: Das Brauerei-Sterben geht weiter

Mit Eichbaum stellt nun eine weitere Brauerei den Geschäftsbetrieb ein. Damit setzt sich die Negativserie der angeschlagenen Bierbranche fort, ein Ende ist bislang nicht absehbar. Wir ziehen vorläufig Bilanz.

Dienstag, 14. Juli 2026

Biergläser
Foto: Adobe Stock/ Wolfilser

Von Mirko Jeschke

Nachdem für die angeschlagene Privatbrauerei Eichbaum trotz mehrmonatiger Investorensuche keine tragfähige Lösung gefunden wurde, stellt nun mit dem Mannheimer Traditionsbetrieb eine weitere Brauerei ihren Geschäftsbetrieb ein. Von der Insolvenz sind rund 240 Beschäftigte am Standort betroffen. Das Unternehmen, dessen Historie bis ins Jahr 1679 zurückreicht, befand sich seit Oktober 2025 in Eigenverwaltung.

Mit der jüngsten Geschäftsaufgabe setzt sich die Negativserie der Bierbranche fort, die hierzulande bereits seit Jahrzehnten mit rückläufigen Absatz- und Ausstoßzahlen zu kämpfen hat. Zuletzt hatte im Dezember 2025 die Oettinger-Brauerei ihre Produktion am Standort Braunschweig (150 Mitarbeiter) eingestellt. Weitere Insolvenzen, Standortaufgaben oder Verkäufe gab es zuletzt unter anderem bei den Brauereien Paderborner, Herforder, Leikeim, Wolters, Kaufbeuren, Mauritius und Landgang.

In den vergangenen fünf Jahren bis 2024 ist die Zahl der Brauereien in Deutschland um 93 Betriebe zurückgegangen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) gab es 2024 – nach 52 Betriebsschließungen – bundesweit noch 1.459 Brauereien. Die Bundesländer mit der höchsten Zahl an Brauerei-Schließungen seit 2019 sind Bayern (-50 Betriebe), Nordrhein-Westfalen (-24), Hessen (-14) und Baden-Württemberg (-9). Gegen den Trend leicht gestiegen ist die Zahl der Braustätten in Sachsen (+7), Thüringen (+4) und Mecklenburg-Vorpommern (+3).

Absatzminus von sechs Prozent in 2025

Betrachtet man die Entwicklung von Januar bis Mai 2026, ist der Gesamtbiermarkt in Deutschland um knapp vier Prozent geschrumpft. In den vergangenen vier Jahren hat der Markt, gemessen am Fünf-Monatszeitraum, insgesamt vier Millionen Hektoliter an Volumen eingebüßt. Dabei stehen – mit Ausnahme der alkoholfreien Varianten – so gut wie alle Sorten im Handel unter Druck.

Im Gesamtjahr 2025 ist der Bierabsatz der deutschen Brauereien und Bierlager gegenüber dem Vorjahr um 6,0 Prozent auf rund 7,8 Milliarden Liter gesunken. Laut Destatis war das der stärkste Absatzrückgang seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1993. Erstmals fiel der Bierabsatz unter acht Milliarden Liter.

Lichtblick Alkoholfrei

Gegen den allgemeinen Markttrend entwickeln sich seit Jahren Biere ohne Alkohol. So wurden im vergangenen Jahr hierzulande gut 616 Millionen Liter alkoholfreies Bier im Wert von rund 696 Millionen Euro produziert. Destatis zufolge ist die Produktionsmenge von alkoholfreiem Bier gegenüber dem Vorjahr um 6,5 Prozent gestiegen. 2024 hatte sie noch bei knapp 579 Millionen Litern gelegen.

Laut dem Deutschen Brauer-Bund (DBB) und Daten des Marktforschungsunternehmens NielsenIQ haben alkoholfreie Biere und Biermischgetränke 2025 beim Umsatz im Handel erstmals die 10-Prozent-Marke überschritten; beim Marktanteil könnte diese Schwelle noch in diesem Jahr erreicht werden. „Die Brauereien in Deutschland bieten eine enorme Vielfalt alkoholfreier Marken an, die ebenfalls nach dem Reinheitsgebot gebraut werden. Wegen der steigenden Beliebtheit dieser Biere sind wir mittlerweile zum größten Markt für Alkoholfreies in Europa geworden. Die Menschen suchen nach hochwertigen, geschmackvollen Bieren, die zu jeder Lebenslage passen, und wir freuen uns, ihnen diese Vielfalt bieten zu können“, so DBB-Präsident Christian Weber.

Konsolidierung erreicht neue Qualität

Während die deutsche Brauwirtschaft weiterhin unter einer schwachen Konsumstimmung, rückläufigen Absätzen und hohen Kostenbelastungen leidet, konnte zuletzt die Brauerei C. & A. Veltins ihren Gesamtausstoß im ersten Halbjahr um 1,3 Prozent steigern. Dennoch warnt Dr. Volker Kuhl, Sprecher der Geschäftsführung, vor der jüngsten Entwicklung: „Die Konsolidierung der Brauwirtschaft im Jahr 2026 hat eine neue Qualität erreicht. Es geht nicht mehr um ein temporäres Tal, das durchgestanden werden muss, sondern um eine dauerhafte Marktbereinigung.“ Den Biermarkt hätten tiefgreifende strukturelle Veränderungen erreicht und die Wettbewerbsintensität zwinge viele Anbieter, ihr Marktengagement zu überdenken.

Nach Auffassung des Veltins-Chefs sind viele Brauereien in eine gefährliche Schere von Kostendruck bei gleichzeitig sinkenden Absätzen geraten. „Der deutsche Biermarkt wird eine harte Selektion durchlaufen.“

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