Das Bundeskartellamt hat den Erwerb von 36 Filialstandorten von Tegut durch die Tante Enso Süd-West GmbH & Co. KG freigegeben. Die Standorte erwirtschafteten im Jahr 2025 Umsätze von rund 60 Millionen Euro, was etwa fünf Prozent des Gesamtumsatzes von Tegut entspricht. Die Standorte befinden sich überwiegend in ländlichen Regionen in Hessen, Thüringen und Nordbayern.
Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: “Tante Enso verfügt bislang über eine vergleichsweise geringe Marktstellung im Lebensmitteleinzelhandel und ist vor allem in ländlichen Regionen tätig. Weder die Größe des Vorhabens noch die Marktstellung der Erwerberin gaben Anlass zu wettbewerblichen Bedenken. Die Übernahme stärkt einen kleineren Wettbewerber in einem Markt, der von wenigen großen Unternehmensgruppen geprägt wird. Zugleich kann sie die Nahversorgung in den betroffenen Regionen sichern.”
Die Erwerberin gehört zur Tante Enso-Gruppe mit Sitz in Bremen. Das Unternehmen betreibt derzeit knapp 90 überwiegend kleinflächige Lebensmittelmärkte im ländlichen Raum. Die Standorte werden in einem hybriden Konzept geführt: Während eines Teils der Öffnungszeiten sind Mitarbeitende vor Ort, außerhalb dieser Zeiten können Kundinnen und Kunden die Märkte autonom als Smart Stores nutzen. Der Zugang erfolgt dabei über eine Kundenkarte, der Einkauf über Selbstbedienungskassen. Die Umsatzerlöse der Tante Enso-Gruppe lagen im vergangenen Jahr bei rund 40 Millionen Euro.
Schrittweise Überführung in Tante Enso-Konzept
Laut der Gruppe werden alle neuen Filialorte schrittweise ins Tante Enso-Konzept überführt. Dies beinhaltet zunächst die Vorstellung des 24/7 hybriden Smart Store-Konzepts auf einer Bürgerversammlung. Anschließend läuft über einen Zeitraum von vier Wochen die Genossenschaftskampagne, in der eine festgelegte Anzahl von Menschen (500-800) aus dem Ort und nahem Umkreis einen Genossenschaftsanteil erwerben müssen und damit zu Teilhabern werden. Die Beteiligung der Menschen vor Ort stellt eine langfristige Standortsicherung dar. „In vielen Standorten haben bereits Gespräche mit den Gemeinden stattgefunden, und wir werden mit offenen Armen empfangen – das freut uns natürlich sehr“, so Gründer und Geschäftsführer Norbert Hegmann. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass das 24/7-Konzept von Tante Enso in den neuen Standorten für die Bevölkerung eine echte Bereicherung darstellt“, ergänzt COO Thomas Gutberlet, der familienhistorisch eine enge Verbundenheit zu Tegut-Filialen mitbringt.
Die Mitarbeiter der Tegut-Filialen werden alle übernommen und umfassend zum Tante Enso-Arbeitsalltag informiert sowie in allen kommenden Phasen der Umstellung begleitet. Thomas Gutberlet setzt auf Synergieeffekte: „Hier wird sicherlich ein guter Wissensaustausch stattfinden, auf der beide Seiten, alte und neue Mitarbeitende, viel voneinander lernen können“. Außerdem soll die Standortattraktivität gewahrt bleiben, so dass Tante Enso auf weitere Versorgungsthemen und Services mit Vertriebspartnern setzt, die zum Teil schon vorhanden sind und ebenso bleiben sollen.
Keine erhebliche Behinderung des Wettbewerbs festgestellt
Die wettbewerbliche Prüfung habe laut dem Bundeskartellamtes ergeben, dass das Vorhaben unter den gegebenen Umständen nicht zu einer erheblichen Behinderung wirksamen Wettbewerbs führe. Hierfür waren insbesondere die nur geringfügigen Überschneidungen zwischen dem bisherigen Filialnetz der Tante Enso-Gruppe und den Zielstandorten maßgeblich, heißt es.
Tegut gehört seit 2013 zur Genossenschaft Migros Zürich (GMZ). GMZ hatte im März 2026 angekündigt, sich aus dem deutschen Markt zurückzuziehen und die Tegut-Gruppe vollständig zu veräußern.
Bereits zuvor waren beim Bundeskartellamt weitere Erwerbsvorhaben im Zusammenhang mit dem Verkauf von Teilen der Tegut-Gruppe angemeldet worden. Die Übernahme eines umfangreichen Filialpakets sowie weiterer Unternehmensteile durch Unternehmen des Edeka-Verbunds und der Erwerb eines weiteren Filialpakets durch die Rewe-Gruppe werden derzeit in laufenden Hauptprüfverfahren untersucht. Dabei prüft das Bundeskartellamt die Auswirkungen der Vorhaben auf die Absatzmärkte des Lebensmitteleinzelhandels sowie auf die Beschaffungsmärkte und befragt hierzu auch Lieferanten verschiedener Produktgruppen.






