Die Spirituosenbranche sah sich im vergangenen Jahr nach Einschätzung des Bundesverbands der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e. V. (BSI) mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, darunter geopolitische Unruhen, Handelskonflikte, weiter steigende Kosten, zunehmende Regulierung sowie Marktschwierigkeiten. Die Nachfrage nach Spirituosen sank in den letzten drei Jahren um elf Prozent. Die Debatte und damit einhergehende aktuelle Empfehlung einer selektiven einseitigen Steuererhöhung ausschließlich auf Spirituosen zur Defizit-Reduktion des Bundeshaushalts verschärft laut dem BSI die Herausforderungen für die überwiegend mittelständisch geprägte deutsche Spirituosenindustrie.
Angespanntes Marktumfeld in 2025
Die Nachfrage nach Spirituosen im LEH (Distribution: rund 76 Prozent) zeigte sich 2025 mit erneut rückläufiger Nachfrage von rund drei Prozent im Vorjahresvergleich bei geringerem Umsatzrückgang von rund vier Prozent. Der Pro-Kopf-Konsum für Spirituosen ging erneut um drei Prozent auf rund 4,85 Liter zurück. Trotz des rückläufigen Marktumfeldes gehörten Spirituosen auch 2025 zu den umsatzstarken Warengruppen im LEH. Auch die weiteren Distributionskanäle wie Gastronomie und Fachhandel blieben mit ihrem Anteil von 24 Prozent stabil. Auf dem deutschen Markt wurden rund 654 Millionen Flaschen à 0,7 Liter angeboten. Im Jahr 2025 kauften 61 Prozent aller Haushalte in Deutschland mindestens einmal Spirituosen ein.
„Gerade in Zeiten individualisierter Konsumentenwünsche sowie wirtschaftlicher Unsicherheit und Unabwägbarkeiten kommt der Konsumentenstimmung eine besondere Bedeutung zu. Qualitätsorientierung, Markenpflege, Nachhaltigkeit und Tradition sowie Vielfalt bei gleichzeitiger Bereitschaft zu Innovationen werden auch in Zukunft Garanten für den Erfolg in der Spirituosenbranche bleiben“, so BSI-Präsident Thomas Ernst.
Entwicklungen im LEH: Klare Spirituosen und Liköre vorne
Nach Analysen der Marktforschung NielsenIQ (Germany) GmbH sank der Absatz an Spirituosen 2025 im Vorjahresvergleich um 3,0 Prozent (LEH-Distribution rund 76 %). Die mengenmäßig größten Marktanteile verbuchten weiterhin „klare“ Spirituosen (rund 32,8 %), Liköre (rund 28,0 %) und „Whisk(e)ys” (rund 10,4 %).
Zu den Gewinnern zählten 2025 u. a. Doppelkorn, Liköre, Weinbrand, Amaretto, Brandy, Cognac, Jagertee, Ouzo und Whisk(e)ys. Das Umsatzvolumen im Lebensmittel-Einzelhandel betrug 2025 rund 4,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 4,6 Mrd. Euro inklusive Mehrwert- und Alkoholsteuer). Dies bildet gut ein Viertel des Umsatzes aller alkoholhaltigen Getränke (Bier, Wein, Sekt und Spirituosen) im LEH ab.
Auch wenn der Anteil der alkoholfreien und alkoholreduzierten Alternativen zu Spirituosen am gesamten Spirituosenmarkt noch gering ist, zeigt sich nach Auffassung des BSI ein deutlich wachsendes Potenzial – insbesondere durch das gestiegene Gesundheitsbewusstsein und das Konsumverhalten der Generation Z.
Außenhandel: Exporte mit deutlichem Plus
Die Spirituosenimporte umfassten nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im vergangenen Jahr rund 457 Millionen Flaschen à 0,7 Liter (+1,3 %). Die Spirituosenexporte betrugen 2025 – nach vorläufigen Ergebnissen von Destatis – rund 373 Millionen Flaschen à 0,7 Liter (+10,0 Prozent).
Gesamtmarktangebot nimmt um 4,3 Prozent ab
Das Gesamtmarktangebot (Produktion + Import – Export) reduzierte sich – nach vorläufigen Angaben von Destatis und Schätzungen des BSI – im vergangenen Jahr im entsprechenden Vorjahresvergleich um 29 Millionen Flaschen à 0,7 Liter bzw. um 4,3 Prozent.
Die Spirituosenbranche inklusive Importeure wies 2025 eine rückläufige Umsatzentwicklung mit geschätzten 4,6 Milliarden Euro auf. Darin enthalten sind rund zwei Milliarden Euro an Alkoholsteuer auf Spirituosen.
Pro-Kopf-Konsum sinkt
Der Konsum pro Kopf von Spirituosen lag 2025 bei rund 4,85 Liter Fertigware und verringerte sich damit um 3,0 Prozent. Im internationalen Vergleich des Spirituosen-Pro-Kopf-Konsums belegte Deutschland im Jahr 2023 Platz 57 – unter anderem hinter Südkorea, Belarus, Estland, Lettland, Bulgarien.
Gemischter Ausblick
Für 2026 erwartet die Spirituosenbranche erneut ein Jahr mit Licht und Schatten: Die anhaltend angespannte Entwicklung und Haushaltslage in Deutschland, Kostensteigerungen (u. a. Energie, Treibstoffe, Rohstoffe etc.), eine Verunsicherung der Konsumenten sowie die außergewöhnlichen geopolitischen Entwicklungen, aber auch die neuesten Forderungen nach einer selektiven Steuererhöhung nur auf Spirituosen stellen für die ausschließlich mittelständische Spirituosenbranche in Deutschland existenzielle Herausforderungen dar, heißt es.






