Unglaubliche lange neun Jahre hat es gedauert, bis nach dem ersten Kontakt der Rewe mit dem Investor Jens Piclums der Rewe-Markt im neuen Westfield-Einkaufszentrum in der Hafencity im April 2025 eröffnet wurde. Dazwischen lagen so viele Aufs und Abs, dass man vor dem Durchhaltevermögen aller Beteiligten nur den Hut ziehen kann. Das Ergebnis ist ein gigantischer Markt, der noch Herausforderungen bietet.
Bau mit Hindernissen
Die Historie des Projekts liest sich wie eine Geschichte von Pleiten, Pech und Opfern. Nachdem Hamburgs Bürgermeister 2005 den Plan zur Neugestaltung des südlichen Überseequartiers vorgestellt hatte, gab es „neun Jahre Ödnis“, wie der NDR berichtete. Ein neuer Investor übernahm, Unibail Rodamco Westfield (URW), Betreiber von Einkaufszentren auch im Ruhrgebiet. 2019 erfolgte die Grundsteinlegung für etwas ganz Großes: Eine Fläche von zehn Fußballfeldern, rund 419.000 Quadratmeter, umfasst das Areal. Die Grundfläche von 67.000 Quadratmetern wurde überbaut mit rund 600 Wohnungen, Büros, Hotels, einem Einkaufszentrum mit 170 Geschäften und 40 gastronomischen Betrieben. Dazu Kino, Kultur, und vor der Tür tatsächlich ein Kreuzfahrtterminal.
Die Elbe vor dem Haus machte den Bauplatz anspruchsvoll. Bis zu 2.000 Arbeiter waren zeitweise beschäftigt, und tatsächlich säumten Katastrophen den Weg zur Fertigstellung. 2023 brannte es zunächst, man sah die Rauchwolken weit über die Stadt ziehen. Im Sommer stürzten sechs albanische Bauarbeiter acht Stockwerke tief in den Tod, ein Gerüst im Fahrstuhlschacht war eingebrochen. Weil die Baukosten stiegen, verkaufte Investor URW mehrere deutsche Shoppingcenter. Zweimal wurde die Eröffnung verschoben. Nicht im April 2024, nicht im Oktober 2024, sondern im April 2025 startete der Betrieb mit einer monströsen Eröffnungsfeier. Bis dahin waren die Gesamtkosten inklusive Entschädigungszahlungen von rund 1,6 auf rund 2,4 Milliarden Euro gestiegen, und zahlreiche Shopbetreiber zweifelten ensthaft am Projekt. Viele Gerichtsprozesse laufen noch.
Jens Piclums Mammutaufgabe
Mitten im Sturm: Jens Piclum. Seit 28 Jahren im Lebensmittelhandel tätig, seit 25 Jahren bei Rewe und zuletzt Marktmanager des Rewe-Markts im älteren Elbe-Einkaufscenter, wagte mit Rewe den Schritt in die Selbstständigkeit. Ausgerechnet im Westfield in der Hafencity. Doch immerhin ist der Standort etwas ganz Besonderes.
Im Untergeschoss des Westfield gelegen, ist der Markt über den direkten Zugang zur U4-Bahnstation Überseequartier gut zu erreichen – und der Weg von der U-Bahn auch gut ausgeschildert. Piclums Markt fungiert als Nahversorger für die Anwohner in hunderten hochpreisiger Wohnungen, Berufstätige aus den zahlreichen Büros und Gäste der rund 1.000 Hotelzimmer im Überseequartier. Und auch die Kreuzfahrttouristen sollen auf dem Weg aus dem Schiff zu Rewe finden.
„Genau das richtige“ sei es für Rewe, an dem „außergewöhnlichen Standort einen Markt der Spitzenklasse“ zu eröffnen, fomuliert es Sascha Stille, Leiter Expansion der Rewe Nord:
Dieser Markt repräsentiert für uns im Norden einen herausragenden Flagshipstore.
Sascha Stille, Leider Expansion, Rewe Nord
Die Erwartungen an den Standort sind also hoch. Die Architektur soll maritimen Markthallenstil zeigen, auf anthrazitfarbenen Böden werden die Wände von grauer und roter Klinkeroptik geprägt. Die goldene Schrift auf den Sortimentsschildern schafft Wertigkeit, aber ausgerechnet in der Wein- und Spirituosenabteilung hängen über den Regalen sehr einfache, ungestaltete, orangefarbene Schilder mit weißer Schrift, auf denen lediglich Ländernamen in drei Sprachen (neben Deutsch und Englisch auch in Spanisch) stehen.
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