Beobachten, abwägen und umdenken – das ist das, was Daniel Honner praktiziert hat. Im Stadler & Honner-Markt in der Ungererstraße in München-Schwabing hat sich der Edeka-Kaufmann zu einem außergewöhnlichen Schritt entschlossen: Die Frischetheke wurde auf ein Drittel des ursprünglichen Zustands reduziert – und das mit auch optisch durchaus gutem Ergebnis. In den Regalen der Ex-Frischefront liegen nun die Prepack-Käse in reicher Auswahl in der Kühlung, in schöner Präsentation und mit allerlei Feinem zum Käse wie Soßen, Wein und Brot in Zweitplatzierung aufgewertet.
Die Theke bleibt das Herzstück des Markts – auch wenn der SB-Bereich größer wird.
Daniel Honner, Edeka-Kaufmann
Edel-Cuts zum Anfassen
Mehrere Gründe nennt Daniel Honner für den Rückbau. Einerseits den Personalmangel. Eine große Theke während langer Öffnungszeiten zu betreiben, ist mit allen Urlaubs- und Arbeitszeitenvorschriften ein personalintensives Geschäft. Andereseits kaufen Kunden auch hochpreisige Stücke nach Honners Beobachtung zunehmend gerne als SB-Ware. Abgesehen davon, dass man im SB-Kühlbereich eine breite Auswahl von Ware verschiedener Hersteller gut sichtbar platzieren kann, möchte der Kunde einen exquisiten Rindercut gerne berühren und durch die Folie aus nächster Nähe betrachten. Edeka Stadler & Honner hat unter anderem Lamm und Geflügel des Unternehmens Juffinger in Bio-Qualität in der Kühlung, dazu gehören auch Premiumprodukte wir ein Bio Rib Eye-Cut. Auch Rind- und Schweinefleisch der Herrmannsdorfer Landwerkstätten – gehören ebenso zum Angebot wie Hühner und Hühnerteile französischer Bio-Produzenten.
Do it yourself – mit Maschine
Die Industrie regiert auf den Trend zum SB-Regal: Der Osnabrücker Wurst- und Schinkenspezialist Bedford hat für Prepack-Theken ein neues Sortiment auf den Markt gebracht. Im Angebot: Osnabrücker Friedensschinken, Trüffelsalami, Pasteten- und Aspikscheiben. Mittlerweile tendieren viele selbstständige Kaufleute zum Do it yourself: Verpackungsmaschinen machen das Abpacken im Markt leicht. Selbst Frischkäse und Feinkostsalate liegen bei Stadler & Honner bereits abgefüllt in der Kühlung.
Immer mehr Gründe für SB-Ware
Warum Kunden weniger an der Frischtheke kaufen, hat nach Aussagen von Kaufleuten noch weitere Gründe: Nach der Corona-Pandemie sei das Bedürfnis nach Hygiene gestiegen. Kunden schätzten in Zeiten hoher Lebensmittelpreise die genaue Preiskontrolle: An Prepackware steht der Preis exakt, es gibt keine „Darf‘s ein bisschen mehr sein?“-Fragen vom Thekenpersonal. Gerade junge Kunden seien in Zeiten der Sozialen Medien beim Sprechen und Fragen im wirklichen Leben zurückhaltender – und viele fürchteten auch, sich zu blamieren, wenn sie die französischen Käsenamen nicht richtig aussprechen oder bei Fleisch vermeintlich„dumme“ Fragen stellen.
Und noch einen weiteren Grund für die verstärkte Kauflust von SB-Ware gibt es: Das Mindesthaltbarkeitsdatum wird auf der Packung genau kommuniziert. Wer also im Umgang mit Lebensmitteln unsicher ist, hat genaue Informationen zur Haltbarkeit – und muss sich weniger Gedanken zur Verderblichkeit machen. Bequemlichkeit gewinnt.






