Herr Klaus, die Temperaturen steigen, eine Fußball-WM steht vor der Tür und Wal „Timmy“ wurde vorerst gerettet. Wird diesen Sommer nun alles gut – und kann der LEH davon profitieren?
Wir beobachten in der Gesellschaft tatsächlich ein kollektives Bedürfnis nach guten Nachrichten oder einem Happy End. Die Menschen sehnen sich nach einer Auszeit, um die derzeitigen Krisen auf der Welt auszublenden. Beim Konsumenten herrscht also ein echter Nachholbedarf. Auch beim Thema Fußball-WM bin ich optimistisch, was mögliche positive Konsumeffekte angeht. Der LEH kann hier auf jeden Fall profitieren, wenn er die Verbraucherwünsche zielgenau bedient.
Was genau bedeutet das?
Durch die stark unter Druck geratenen Haushaltseinkommen verlagern sich Genussmomente zunehmend von der Gastronomie in die eigenen vier Wände. Viele Verbraucher können sich teure Restaurant- und Barbesuche nicht mehr leisten und versuchen deshalb, im eigenen Garten oder auf dem Balkon mit Freunden und Familie kosteneffizient zu feiern. Sie decken sich bereits jetzt mit Spirituosen, Aperitif-Produkten und Mixgetränken ein. Das birgt noch jede Menge Potenzial.
Wo liegen die Chancen beim Aperitif?
Mit diesem Begriff meinen wir ja nicht den klassischen Aperitif, die reinen Spirituosen, sondern die zahlreichen Spritz-Varianten – und die wachsen weiter. Für sie gibt es eine junge, urbane Kernzielgruppe, die große Freude an dieser Kategorie hat und vieles in der Gastronomie kennengelernt und von ihr übernommen hat. Es geht darum, etwa ausgefallene Varianten zu entdecken, neue Zutaten ins Glas zu bringen und durch eine spielerische Herangehensweise am Ende ein sommerliches Lebensgefühl zu zelebrieren.
Wie könnte diese Inszenierung aussehen?
Der LEH könnte sanfte Pairing-Hinweise geben und die Produkte mit ergänzenden Sortimenten platzieren. Warum nicht mal den italienischen oder spanischen Apero-Moment durchdeklinieren, mit Tapas beziehungsweise Grissini? Zur WM könnte man auch versuchen, einen mexikanischen Touch hineinzubringen. Die Menschen wollen raus aus der Depression, dabei helfen mehr Eigeninitiative und mehr positive Genussmomente.
Wie verhält sich die ältere Zielgruppe?
Sie ist noch etwas unsicher und findet zunehmend Zugang über Ready-to-Drink-(RTD)-Produkte. Diese sind vor allem in praktischen Gebinden gefragt. Beim Preispunkt vergleichen Konsumenten die Produkte weniger mit der selbst zubereiteten Alternative, sondern mit den Angeboten in der Gastronomie und erkennen deshalb nach wie vor einen klaren Preisvorteil für sich.
Und RTDs sind überaus ansprechend …
Absolut. Man kann die bunten Dosen oder Flaschen ohne Weiteres auf den Tisch stellen, das macht optisch immer etwas her. Durch die Sortenvielfalt bieten sie für jedermann etwas und sind zudem inklusiv, denn sie nehmen ein Stück weit die Komplexität und den Anspruch aus der Kategorie.






