Kemnath bei Bayreuth: Hier hat der Wurst- und Schinkenhersteller Ponnath seine Heimat, hier wurde das Unternehmen 1692 erstmals urkundlich erwähnt – und ist somit dieses Jahr genau 333 Jahre alt. Firmenchef Michael Ponnath führt durch das unternehmenseigene Museum im Ortskern: Historische Werkzeuge zur Zubereitung von Wurst sind hier ausgestellt. An den Wänden sind Fotos zu sehen, die häufig seine Vorfahren zeigen. Nicht weit davon entfernt: das ursprüngliche Stammhaus.
Ponnath ist Unternehmer in der zehnten Generation, und die elfte steht schon bereit: Sohn Max Ponnath soll in fünf Jahren das Ruder übernehmen, er gehört schon jetzt zur Unternehmensleitung. Beide sind beim Interviewtermin anwesend, es gibt Mittagessen in der Firmenzentrale. Nürnberger Rostbratwürstchen stehen auf der Speisekarte. Zeit, um über das Unternehmen zu reden.
Marke ist nun mal ein ganz anderes Geschäft als Eigenmarke. Welche Ziele haben Sie sich hier gesetzt?
Wir wollen der Marke 1692 Zeit geben, um sich zu entwickeln. Uns ist bewusst, dass der Weg von der Eigenmarke zur Marke kein Sprint ist, sondern ein Marathon. Wir wollen aber langfristig durch Qualität und Innovation überzeugen und starten mit hochwertigen Produkten wie der „Gourmet Schinkenplatte“, aber auch mit zwei Pastrami-Sorten und „Proschutta“, einer Kombination aus Kochschinken und Schmelzkäse.
Max, Sie sollen das Unternehmen ab 2030 führen. Wie fühlt sich das an?
Max Ponnath: Das fühlt sich für mich richtig an. Von Kindesbeinen an war ich im Betrieb, habe in den Ferien hier gearbeitet. Das prägt. Auch während meines Studiums in der Schweiz und der Tätigkeit für eine Unternehmensberatung war mein größter Wunsch, unser Familienunternehmen fortzuführen. Das passt.
Die Fleischbranche verändert und konsolidiert sich derzeit stark. Was verändert sich gerade bei Ponnath?
Michael Ponnath: Zum einen die Einführung einer Marke, ein wichtiger Meilenstein. Zum anderen der Kontakt zu den Lieferanten: Wir sind wieder öfter bei den Landwirten unterwegs und wollen die Lieferbeziehungen stärken. Dadurch können wir auch höhere Anforderungen an Tierwohl oder Bio besser umsetzen. Damit kehren wir ein Stück weit zurück zu unseren Wurzeln im Fleischerhandwerk und der Landwirtschaft. Mein Großvater war nicht nur Metzger, sondern auch Landwirt.
Parallel dazu setzen Sie mit der Marke Vantastic auf fleischlose Produkte. Wie passt das zusammen?
Das ergänzt sich sehr gut. 25 Prozent unserer Umsätze erzielen wir bereits mit fleischfreien Produkten, die wir seit 2013 produzieren. Unter der Marke Vantastic bieten wir mittlerweile eine Produktpalette mit 30 Plant-
based-Artikeln, die zum Teil in unserem Future Food Center entwickelt werden. Seit der Komplettübernahme des veganen Großhändlers Velivery 2020 betreiben wir zudem einen der größten Vegan-Onlineshops in Deutschland. Das ist definitiv ein wichtiger Teil unserer Zukunft.
Gibt es bei Ihnen intern einen „Clash der Kulturen“? Salopp gesagt: Fleischer auf der einen, Veganer auf der anderen Seite?
(Lacht) Nein, so etwas gibt es bei uns nicht. Wir richten uns nach den Bedürfnissen der Endverbraucher aus.
Max Ponnath: Es wird intern gesehen, dass beide Geschäfte komplementär sind.
Blicken Sie trotz der vielen aktuellen Herausforderungen optimistisch in die Zukunft?
Max Ponnath: Auf jeden Fall. Wir sind seit 333 Jahren optimistisch! Unser Unternehmen ist im Eigenmarkengeschäft fest etabliert, wir entwickeln eine starke Marke weiter und bauen zudem das Geschäft mit Plant-based- sowie Convenience-Produkten aus. Das ist eine gute Basis für die Zukunft.






