Der niedersächsische Bio-Safthersteller Voelkel hat im Jahr 2025 ein Umsatzplus von 14 Prozent auf 161 Millionen Euro erreicht. Wie das gemeinwohlbilanzierte Unternehmen mitteilte, hat es in den Bereich Nachhaltigkeit investiert und konnte trotz der Steigerung der Produktionszahlen um knapp acht Prozent etwa den absoluten Wasserverbrauch im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 5 Prozent senken. Durch das Anfang 2025 in Betrieb genommene Biomasseheizwerk können nun knapp 80 Prozent der benötigten Prozesswärme durch Biomasse anstatt Erdgas erzeugt werden. Dies entspricht einer C02-Einsparung von 5.500 Tonnen. Neben größeren Investitionen in modernste Energieinfrastruktur und neue Produktionsanlagen wurden 2025 fast 100 neue Mitarbeitende eingestellt, was einem Plus von nahezu 30 Prozent auf jetzt 450 Arbeitsplätze bedeutet. Grund für den starken Ausbau der Belegschaft ist die personalintensive hohe Fertigungstiefe und die Stärkung des Vertriebsteams, heißt es.
Multiple Krisen erfordern Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe
Trotz des Wachstums sah sich Voelkel 2025 nach eigenen Angaben mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Ernteausfälle durch extreme Wetterphänomene, ein Mangel an Erntekräften, steigende Lohnkosten, steigende Energiekosten und massive Schäden durch invasive Arten wie die Schilf-Glasflügelzikade würden Landwirte in existentielle Nöte bringen und zu Preissteigerungen von bis zu 500 Prozent führen. „Die Klimakrise hat Deutschland mit voller Wucht erreicht“, erklärt Boris Voelkel, Geschäftsführer Einkauf. „Früher gab es gelegentlich mal eine Krise, heute folgt auf eine direkt die nächste und wir reden über einen Dauernotzustand in der Landwirtschaft.“ Der Rohwarenmarkt sei zunehmend von Extremen geprägt, die sich nur durch hohe Investitionen in Tanklagerkapazitäten und moderne, flexible Produktionsanlagen abfedern lassen. Voelkel versteht sich als Stabilität schaffendes Ausgleichsgewicht in der zunehmend aus dem Gleichgewicht geratenden Lieferkette. Rund zehn Millionen Euro investiert das Unternehmen daher allein in einen neuen Standort zur Vorfertigung, mehr als zwölf Millionen Euro für eine neue Produktionslinie. Für ein neues Hochregallager sowie ein weiteres Biomasseheizwerk rechnet sein Bruder Jacob Voelkel mit einem Volumen von weiteren 20 bis 30 Millionen Euro.
Der für die Bereiche Produktion, Technik, Lager, QS & QM verantwortliche Geschäftsführer ergänzt: „Ein weiterer zukunftsorientierter, aber kostenintensiver Meilenstein war für uns im vergangenen Geschäftsjahr die Umstellung eines Großteils unserer Säfte und Nektare in 0,7-l-VdF auf eine neue, hauseigene 0,5-l-Flasche mit neuem Design. Die mit der Premiumisierung der Kategorie verbundene Preiserhöhung macht die zuletzt wegen der massiv gestiegenen Rohwarenpreise in die Verlustzone gerutschte Saft-Range wieder überlebensfähig.“ Als erster Hersteller wagte das Unternehmen den Schritt, den höheren Literpreis bewusst offen und transparent durch Anzeigen und Maßnahmen am PoS zu kommunizieren, um Akzeptanz sowie auch das Gefühl des Mitwirkens an einer zukunftsfähigen Landwirtschaft bei den Konsumenten zu erreichen.
Klassischer Fruchtsaftkonsum geht zurück
„Die Menschen in Deutschland trinken immer weniger klassischen Fruchtsaft, der Trend geht zu funktionalen und zuckerreduzierten Getränken“, erklärt Jurek Voelkel, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb. „Zu unserem positiven Ergebnis trugen daher maßgeblich unsere Neuprodukt-Innovationen der vergangenen Jahre bei, allen voran unsere funktionale Shot-Range, die wir auch in diesem Jahr um weitere Neuzugänge erweitert haben. Gleichzeitig mussten wir aber auch bei unseren Haferdrinks ein Minus von satten 33 Prozent hinnehmen. Die Menschen sind finanziell am Limit und da verliert das Argument der umweltfreundlichen Glasmehrwegflasche offensichtlich an Bedeutung und man greift wieder zum günstigeren Verbundkarton.“ Mit Sorge beobachtet Voelkel insgesamt einen gesellschaftlichen Backlash durch rückwärtsgewandte Kräfte und die Fossillobby. „Wir haben auch 2025 wieder bewiesen, dass nachhaltiges Wirtschaften für unternehmerische und gesellschaftliche Stabilität sorgt und nachweislich neue Arbeitsplätze schafft.“






