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Vom Azubi zum Marktleiter

Früh Verantwortung übernehmen, im Alltag wachsen und Schritt für Schritt Führungsaufgaben annehmen – Jannik Kriegel ist diesen Weg konsequent gegangen und ist jetzt Marktleiter. Im Interview mit der RUNDSCHAU spricht er darüber, was ihn im Handel antreibt und was gute Nachwuchsförderung ausmacht.

Dienstag, 5. Mai 2026

Jannik Kriegel ist Marktleiter bei Schmidts Märkte in RickenbachFoto: Reinhard Rosendahl
Jannik Kriegel

Von Tanya Wolf

Mit gerade einmal 22 Jahren hat Jannik Kriegel bereits erreicht, wovon viele im Handel träumen: Er leitet das Stammhaus der Schmidts Märkte, die mit 16 Standorten im Südschwarzwald zu den prägenden Lebensmittelhändlern der Region zählen. Im Interview mit der RUNDSCHAU spricht er über seinen Werdegang und gibt Tipps für Azubis und Ausbilder.

Wie lange sind Sie bereits im LEH tätig und wie lange bei den Schmidts?
Meine Leidenschaft für den Handel habe ich bereits nach meinem Abitur entdeckt. Zunächst habe ich im Bereich Sportausrüstung und Bekleidung etwa acht Monate gearbeitet, um Geld zu verdienen. Der Kontakt und Umgang mit den Kunden haben bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen und damit die Weichen gestellt.
Meine Reise im Lebensmitteleinzelhandel begann noch im selben Jahr mit meinem dualen Studium bei den Schmidts Märkten. Dieses konnte ich nach drei Jahren im Oktober 2025 erfolgreich abschließen und gehe nun meiner Tätigkeit als Marktleiter nach.

Wollten Sie schon immer im LEH arbeiten?
So ganz eindeutig war das anfangs noch nicht. Ich habe mich bei vielen Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen beworben, bevor ich mich für den LEH entschieden habe. Dennoch kann ich eine gewisse Liebe und Leidenschaft zu Lebensmitteln nicht leugnen. Ich habe schon immer gerne gekocht, eingekauft und noch lieber gegessen. Außerdem haben mich Supermärkte sowie der Umgang und Verkauf von Lebensmitteln schon immer fasziniert.
Schlussendlich wurde meine Entscheidung aber erst durch den persönlichen und professionellen Kontakt in den Bewerbungsgesprächen und Probearbeiten bei den Schmidts Märkten klar. Ich habe mich direkt wohlgefühlt und gemerkt, dass das Studium im LEH genau das Richtige für mich ist.

Gab es einen Schlüsselmoment, an dem Sie gemerkt haben: Ich kann mir eine Führungsrolle vorstellen?
Davon gab es während meines gesamten Studiums sicherlich einige. Ich hatte das große Privileg, viele spannende Abteilungen und Tätigkeiten an unterschiedlichen Standorten und zu verschiedenen Saisons kennenzulernen und durfte dabei schon früh Verantwortung übernehmen.
Ich konnte zum Beispiel bereits nach zwei Wochen meiner ersten Praxisphase den Wareneingang des größten Schmidts-Marktes vertreten. Als ich diese Aufgabe erfolgreich gemeistert hatte, war das sicherlich einer der ersten Momente, in denen ich mir eine Führungsrolle vorstellen konnte.
Zudem durfte ich viel Eigeninitiative ergreifen und mit geschenktem Vertrauen eigene Impulse einbringen. Das entwickelte sich von der Leitung einzelner Abteilungen bis hin zur Schließkraft mit Führungsverantwortung. Genau diese Aufgaben haben letztlich meine Motivation geweckt, Verantwortung zu übernehmen.

Welche Herausforderungen mussten Sie auf Ihrem Weg meistern?
Herausforderungen gab es auf meinem bisherigen Weg einige. Zum einen natürlich schulischer Natur: Das Pensum in den jeweils dreimonatigen Theoriephasen mit anschließenden Prüfungen hat viele Stunden und Nerven gekostet.
Darüber hinaus bringt Verantwortung immer auch Herausforderungen mit sich. Ein gewisser Respekt vor den Aufgaben hat mich dabei immer begleitet – was jedoch keinesfalls negativ ist. Häufig musste ich über meinen eigenen Schatten springen oder wurde ins kalte Wasser geworfen.
Rückblickend sind es aber genau diese gemeisterten Herausforderungen, die als Motivation und Erfolgstreiber dienen.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Besonders stolz bin ich zum einen auf den sehr erfolgreichen Abschluss meines Studiums, zum anderen aber auch auf meine Übernahme als Marktleiter bereits während meines letzten Semesters. Besser hätte es für mich wirklich nicht laufen können – damit ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen.
Ich bin sehr dankbar, dass mir diese Aufgabe zugetraut und ermöglicht wurde. Auch zehn Monate nach meinem ersten Arbeitstag in dieser Position empfinde ich diesen Stolz noch immer.

Was hat Ihnen in Ihrer Ausbildung besonders geholfen und gab es Menschen, die Sie besonders gefördert haben?
Besonders geholfen hat mir immer, wenn sich Zeit für mich genommen wurde – ganz egal, ob bei der Einarbeitung, bei Fragen oder bei Verbesserungsvorschlägen.
Wie bereits erwähnt, haben mich verantwortungsvolle Aufgaben und Herausforderungen enorm vorangebracht. In Kombination mit dem geschenkten Vertrauen und spürbarem Rückenwind konnte ich mich  hochmotiviert weiterentwickeln.
Zudem habe ich regelmäßig ehrliches Feedback erhalten und konnte mich dadurch kontinuierlich verbessern.
Besonders prägend waren dabei Magdalena Öschger, meine Betreuerin während des gesamten Studiums, die meine Praxisphasen abwechslungsreich und spannend gestaltet hat, sowie Doreen Schulte, die Personalreferentin des Unternehmens, die mich sowohl für das duale Studium als auch für die Position als Marktleiter eingestellt hat.
Darüber hinaus hat mir die gesamte Geschäftsführung – Claudia Schmidt-Maier, Martin Schmidt und Michael Schmidt – großes Vertrauen entgegengebracht und meinen beruflichen Werdegang maßgeblich ermöglicht.
Nicht zuletzt haben mich auch alle Mitarbeitenden, Abteilungsleiter und Marktleiter während des Studiums begleitet, unterstützt sowie gefordert. Ebenso wichtig waren meine Eltern und Freunde, die mich immer motiviert haben – auch in herausfordernden Phasen.

Was bedeutet es, die Leitung eines Marktes mit so einer langen Historie zu übernehmen?
Es ist mit einer besonderen Ehre verbunden, das Stammhaus zu leiten, in dem alles begonnen hat. Der Standort Rickenbach ist für mich daher etwas ganz Besonderes.
Nicht nur, dass die Seniorchefin noch ein Stockwerk über dem Markt wohnt, regelmäßig anruft oder nach dem Rechten schaut – auch die vielen langjährigen Mitarbeitenden, die teilweise seit 35 bis 40 Jahren im Unternehmen sind und zahlreiche Veränderungen miterlebt haben, prägen den Standort.
Der Markt strahlt einen einzigartigen Charme aus und wird von vielen Kunden sehr geschätzt. Das spornt mich täglich an und setzt die Messlatte auf eine sehr angenehme Weise hoch.

Ihr Markt gilt als besonders stark in der Azubi-Förderung. Was wird dort konkret anders gemacht?
Ich glaube gar nicht, dass wir das Rad neu erfinden, sondern vielmehr, dass wir bestimmte Dinge sehr konsequent und mit Überzeugung leben. Unsere Auszubildenden werden von Anfang an aktiv ins Tagesgeschäft eingebunden und übernehmen früh Verantwortung. Dabei achten wir darauf, dass sie nicht nur „mitlaufen“, sondern wirklich verstehen, warum wir Dinge tun.
Zudem legen wir großen Wert auf eine enge Betreuung. Es gibt feste Ansprechpartner, regelmäßige Feedbackgespräche und vor allem ein offenes Ohr im Alltag. Fehler dürfen gemacht werden – wichtig ist, dass man daraus lernt.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Vielfalt: Unsere Auszubildenden durchlaufen viele Abteilungen und lernen den Markt ganzheitlich kennen. Das stärkt das Verständnis, fördert die Eigenverantwortung und unterstützt die persönliche Entwicklung.
Außerdem ist unser Führungsteam vergleichsweise jung und hat die Ausbildung im Unternehmen selbst durchlaufen. So hat beispielsweise die Leitung der Bedientheken, Carina Ücker, ebenfalls ihr duales Studium bei den Schmidts Märkten absolviert. Dadurch entsteht eine besondere Nähe und ein hohes Maß an Verständnis für die aktuelle Ausbildungssituation, was die Förderung zusätzlich authentisch und greifbar macht.

Was reizt Sie an Ihrer Rolle als Marktleiter am meisten?
Mich reizt vor allem die Kombination aus unternehmerischem Denken und der Arbeit mit Menschen. Kein Tag ist wie der andere – man ist ständig gefordert, Entscheidungen zu treffen, Prozesse zu optimieren und gleichzeitig ein funktionierendes Team zu führen.
Besonders motivierend ist es für mich zu sehen, wie sich Mitarbeitende weiterentwickeln. Wenn jemand über sich hinauswächst, Verantwortung übernimmt und vielleicht den nächsten Karriereschritt macht, ist das ein sehr erfüllender Teil meiner Arbeit.
Außerdem schätze ich die Möglichkeit, meinen Markt aktiv mitzugestalten – sei es im Sortiment, in der Mitarbeiterführung oder in der Atmosphäre für unsere Kunden.

Woran erkennen Sie Potenzial bei jungen Mitarbeitenden?
Potenzial erkenne ich weniger an Noten oder Vorerfahrung, sondern vor allem an der Einstellung. Wer neugierig ist, Fragen stellt und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, bringt bereits sehr viel mit.
Auch Eigeninitiative spielt eine große Rolle. Wenn jemand nicht nur Aufgaben abarbeitet, sondern mitdenkt und eigene Ideen einbringt, zeigt das echtes Engagement.
Nicht zuletzt ist auch der Umgang mit Menschen entscheidend. Freundlichkeit, Teamfähigkeit und ein respektvoller Umgang mit Kunden und Kollegen sind im LEH essenziell und ein klares Zeichen für Entwicklungspotenzial.

Was würden Sie Nachwuchskräften raten, die Karriere machen möchten?
Mein wichtigster Rat ist: Seid offen für Neues und habt keine Angst vor Verantwortung. Gerade im Handel bieten sich viele Chancen, wenn man bereit ist, diese zu ergreifen.
Zudem sollte man sich nicht scheuen, Fragen zu stellen und aktiv Feedback einzufordern. Nur so kann man sich wirklich weiterentwickeln.
Und ganz wichtig: Dranbleiben. Es wird immer Phasen geben, die herausfordernd sind – genau daran wächst man.

Was können Marktleiter tun, um Talente zu fördern?
Marktleiter haben eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Talenten. Wichtig ist vor allem, Vertrauen zu schenken und bewusst Verantwortung zu übertragen.
Ebenso entscheidend ist regelmäßiges Feedback – sowohl positives als auch konstruktives. Nur so wissen Mitarbeitende, wo sie stehen und wie sie sich weiterentwickeln können.
Darüber hinaus sollte man sich Zeit nehmen: für Gespräche, für Einarbeitung und für individuelle Förderung. Jeder Mensch hat unterschiedliche Stärken und entwickelt sich unterschiedlich schnell – diese zu erkennen und gezielt zu fördern, ist eine zentrale Aufgabe von Führungskräften.

Noch ein Schlusswort: Was möchten Sie Marktleitern mitgeben, die heute junge Talente im Markt haben?
Schenkt euren Talenten Vertrauen, übertragt bewusst Verantwortung, lasst Fehler zu, gebt regelmäßig Feedback – es ist ein Geschenk – und nehmt euch die notwendige Zeit. Fördert gezielt die Stärken eurer Mitarbeitenden.

 

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