„KI verändert die Art und Weise, wie wir Inhalte vermitteln”, sagt Kristine Baumgart. Sie ist seit dem 1. Juli neue Schulleiterin der Food Akademie Neuwied. Repetitive Aufgaben – von der SB-Kasse über automatische Nachbestellung bis zum Inventurroboter – werde die Technik künftig übernehmen. Auch in der Didaktik zieht sie klare Konsequenzen: Wenn ein Auszubildender heute ein Problem mit dem Betriebsabrechnungsbogen habe, könne er eine KI fragen, die es ihm individuell erkläre. „Dafür brauche ich keinen Dozenten mehr im klassischen Sinne.”
Die frei werdende Präsenzzeit will die Food Akademie für das nutzen, was KI nicht leisten kann: Argumentation, Diskussion, Kommunikation, Persönlichkeitsentwicklung, Teamarbeit und kritische Reflexion. „Diese wertvolle Zeit darf ich nicht nur damit verschwenden, Wissen in Köpfe zu füllen”, so Baumgart. Ihr Ziel: weg vom „Nürnberger Trichter”, hin zum Lernen durch Erleben.
Lerninhalte auf dem Prüfstand
Auch die Lerninhalte der Food Akademie selbst kommen auf den Prüfstand. So werde etwa Buchhaltung kaum noch selbst gemacht – entscheidend sei, dass ein Kaufmann seine Bilanz lesen und auf Augenhöhe mit dem Steuerberater diskutieren könne: „Also lehren wir mehr das Verstehen – weniger das Buchen.” Dazu kommen Themen wie betriebliches Gesundheitsmanagement, der Umgang mit psychischen Belastungen im Team und der souveräne Umgang mit Datenstrukturen.
Realistisch bleibt Baumgart beim Tempo: Bis KI flächendeckend im Supermarkt wirke, vergingen noch mindestens zehn bis fünfzehn Jahre. Was bleibe, seien die zwischenmenschlichen Begegnungen – und genau die stünden im Zentrum der Aus- und Weiterbildung.
Warum die junge Generation klüger ist, als ihr Ruf vermuten lässt – das ganze Interview mit Kristine Baumgart lesen Sie in der Oktober-Ausgabe der RUNDSCHAU.






