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Tegut: Die Gründe für das Ende des LEH-Filialisten

Die Schweizer Migros-Gruppe gibt die deutsche Supermarkttochter Tegut nach verlustreichen Jahren auf, die Vielfalt im deutschen Lebensmittelhandel nimmt weiter ab. Wie sieht die Branche nach dem Ende des Filialisten aus – und was waren die Gründe für den Untergang? Die RUNDSCHAU hat mit einem Handelsexperten gesprochen.

Dienstag, 31. März 2026

Foto: TegutTegut-Markt.

Von Martina Kausch, Marcelo Crescenti

Am Ende steht eine Zahl: 600 Millionen Euro. So viel soll die Migros-Gruppe das Engagement beim deutschen LEH-Filialisten Tegut gekostet haben. Allein 2025 mussten die Schweizer Verluste von rund 270 Millionen Euro einstecken, wird eine Pressesprecherin in eidgenössischen Medien zitiert. Anfang März zog Migros, im Heimatmarkt selbst derzeit in der Defensive, schließlich bei der deutschen Tochter den Stecker. Tegut, das war der nette Schwimmer im LEH-Haifischbecken aus dem katholischen Fulda, der früh auf Bio und Regionalität setzte. Vorbei. „Mit der spezifischen Positionierung und der vergleichsweise kleinen Unternehmensgröße ist Tegut langfristig wirtschaftlich nicht zukunftsfähig“, konstatierte die Migros jetzt trocken in einer Pressemitteilung. Trotz massiven Kosteneinsparungen, welche die operativen Verluste im vergangenen Jahr um mehr als die Hälfte reduzierten, habe sich das Marktumfeld in Deutschland weiter verschärft und zu rückläufigen Umsätzen geführt, hieß es.

Expansion als Stolperstein

Aus meiner Sicht war die Idee, aus dem Stammgebiet auszugehen und Märkte in Baden-Württemberg und München zu eröffnen, problematisch für Tegut“,

Prof. Dr. Stephan Rüschen – DHBW Heilbronn

“Der Schachzug, die Bio-Handelskette Basic 2023 zu übernehmen, war zudem riskant in einer Situation, in der das Unternehmen schon länger nicht mehr gesund war“, analysiert der Experte gegenüber der RUNDSCHAU. „Wenn ich als Händler aus dem Kerngebiet rausgehe, ist meine Marke nicht bekannt. Ich muss investieren und habe hohe Logistikkosten. Ich kenne die Märkte nicht, muss Kapazitäten aufbauen. Das sind Dinge, die man nicht tun sollte, wenn das Kerngeschäft nicht hundertprozentig gesund ist“, so Rüschen. „Weil das Kerngeschäft vernachlässigt wird und das Unternehmen finanzielle Risiken eingeht.“

Für Rüschen wäre der Rückzug auf das angestammte Gebiet in Hessen durchaus eine Alternative für Tegut gewesen. Doch das aktuell herausfordernde wirtschaftliche Umfeld macht eine solche Entscheidung schwierig. Eine weitere Frage sei für den deutschen LEH spannend: Was wird aus den Teos, den mobilen digitalen Mini-Nahversorgungsmärkten, die 2020 mit ihrem innovativen Design in der Branche große Aufmerksamkeit erregt hatten?

7.400 Mitarbeitende betroffen

Nun reiht sich Tegut ein in die lange Liste von deutschen Lebensmittelhändlern, die in den vergangenen Dekaden das Handtuch geworfen haben, neben etwa Kaiser’s Tengelmann und Real. Die Konzen-tration in der Branche nimmt weiter zu, die Transaktion steht freilich noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamts. „Es wird schon noch mal spannend, wie das Kartellamt zu den Übernahmen steht, und deshalb ist die Messe noch nicht gesungen“, sagt Stephan Rüschen. Doch es gehe letztlich um Arbeitsplätze. Und in der aktuell angespannten Wirtschaftssituation könne man kaum vermitteln, wenn Jobs verloren gehen. Es geht insgesamt um rund 7.400 Angestellte.

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