Im Vergleich zu 2024 sind die Verluste durch Inventurdifferenzen im vergangenen Jahr von 4,95 auf 5,11 Milliarden Euro geklettert, eine Steigerung von 3,2 Prozent – während der Umsatz nur um 2 Prozent gestiegen ist. Laut einer neuen EHI-Studie entfällt der größte Teil davon im deutschen Handel auf den Ladendiebstahl. Aber nicht nur die Kundschaft klaut, auch Mitarbeitende und Dienstleister tragen zu der Bilanz bei.
Treiber: Diebstahl
Der Anteil der durch Diebstahl von Kundschaft, Mitarbeitenden, Lieferanten und Servicepersonal verursachten Verluste beläuft sich auf insgesamt 4,33 Milliarden Euro (2024: 4,20 Mrd. Euro). Allein die Kundschaft wird für einen Warenverlust im Wert von 3,05 Milliarden Euro verantwortlich gemacht (2024: 2,95 Mrd. Euro) – ein Plus von 3,4 Prozent.
Den eigenen Angestellten werden Verluste in Höhe von 910 Millionen Euro angelastet, Lieferanten und Servicefirmen 370 Millionen Euro. Die restlichen 780 Mio. Euro resultieren aus organisatorischen Mängeln, also primär Erfassungs-, Buchungs- und Bewertungsfehler. Der aus dem gesamten Diebstahl resultierende volkswirtschaftliche Schaden durch entgangene Umsatzsteuer beträgt rund 590 Millionen Euro pro Jahr.
Unterschiede in den Branchen
Die durchschnittlichen Inventurdifferenzen im gesamten Lebensmitteleinzelhandel sind spürbar gestiegen. Im Bekleidungshandel haben sich die durchschnittlichen Inventurdifferenzen leicht verschlechtert. Während Drogeriemärkte überwiegend Anstiege ihrer Inventurdifferenzen feststellen mussten, ist der Trend in Baumärkten fast ausgeglichen. In den übrigen Branchen zeigen die teilnehmenden Unternehmen im Mittel hingegen eine leichte Verbesserung der Höhe der Inventurdifferenzen.
Aus dem durchschnittlichen Schaden aller angezeigten Diebstähle und dem per Inventur festgestellten Schaden im Handel ergibt sich, dass jährlich etwa 24,8 Millionen Ladendiebstähle im Wert von jeweils 123 Euro unentdeckt bleiben. Über 98 Prozent der Fälle werden nicht erkannt und daher auch nicht angezeigt. Hinzu kommt eine gewisse Anzeigemüdigkeit, die auf eine mangelhafte Strafverfolgung zurückzuführen ist.
Steigende Lebenshaltungskosten aufgrund der Inflation werden als Ursache für die Entwicklung genannt: „Viele Händler sind der Ansicht, dass die aktuelle politische Lage und die wirtschaftlichen Aussichten viele Verbraucher und Beschäftigte unter finanziellen Druck setzen und somit zu mehr Gelegenheitsdiebstählen führen“, erklärt Studienautor Frank Horst. „Aus Sicht des Handels begünstigt vor allem die unzureichende Rechtsprechung und Strafverfolgung die Zunahme dieser Straftaten.“
Ausgaben für Sicherheitsbudgets steigen
Im Durchschnitt aller Branchen gibt der Handel aktuell etwa 0,33 Prozent seines Umsatzes für Sicherheitsmaßnahmen aus. Darin enthalten sind externe Kosten für Artikelsicherungsmaßnahmen, Kameraüberwachung, Detektiveinsätze, Testkäufe und Schulungsmaßnahmen sowie sonstige Sicherheitsmaßnahmen wie diebstahlhemmende Verkaufsträger oder Software-Analysetools zur Datenauswertung. Die Ausgaben für Präventionsmaßnahmen stiegen im Jahr 2025 auf 1,7 Milliarden Euro (2024: 1,6 Mrd. Euro), was vor allem auf inflationsbedingte Kostensteigerungen zurückzuführen ist.
Berücksichtigt man zusätzlich alle internen Aktivitäten, die durch das Diebstahlrisiko verursacht werden – wie das Anbringen und Deaktivieren/Entsichern von Warensicherungen, Bestandskontrollen, interne Schulungen, Datenanalysen, Kameraüberwachung sowie Diebstahlanzeigen –, so ergeben sich bei konservativer Schätzung weitere Kosten in Höhe von 1,6 Milliarden Euro. Die Gesamtkosten belaufen sich somit auf 3,3 Milliarden Euro pro Jahr.
Die größte Herausforderung besteht nach wie vor darin, dem organisierten und gewerbsmäßigen Diebstahl – meist Bandendiebstahl – entgegenzutreten. Mit rund 1 Mrd. Euro ist er für ein Drittel der Ladendiebstähle verantwortlich.






