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Stephan Rüschen: Übernahme der Feneberg-Märkte „für Edeka Südbayern dramatisch“

Jahrelang wurden die 72 Feneberg-Märkte im Allgäu von Edeka Südbayern beliefert. Was bedeuten die Insolvenz und der Einstieg von Rewe sowie der LEH Allgäu GmbH für die Regionalgesellschaft? Der Fusionsdruck könnte wachsen, sagt Stephan Rüschen – und begegnet der neuen Konstruktion mit zwei Betreibern skeptisch.

Montag, 3. August 2026

Fotos: Privat; Jörg Spielberg

Durch die Insolvenz von Feneberg verliert Edeka 72 Märkte, nun übernehmen Rewe und die LEH Allgäu GmbH die Standorte. Was bedeutet das für Edeka Südbayern?

Für Edeka Südbayern ist es tragisch, dramatisch – man kann hier wahrscheinlich jeden Superlativ verwenden, den man möchte. Das wird wohl Druck auf Edeka Südbayern ausüben, zu fusionieren.
Es gab gerade die Fusion von Edeka Nord mit Edeka Rhein-Ruhr zu Edeka Nordwest – dort spielten wohl die hohen Investitionen in eine Logistik eine Rolle. Das Interessante ist ja, dass Edeka Nord und Edeka Rhein-Ruhr geografisch weit auseinander liegen – dazwischen liegt die Edeka Minden-Hannover. Für eine Fusion von Edeka Südbayern bieten sich entweder Nordbayern Sachsen Thüringen oder Edeka Südwest an. Eine Fusion mit Edeka Nordbayern ist durchaus denkbar, nicht zuletzt, wenn man auf die Größen schaut. Edeka Südbayern hat nach dem Verlust von Feneberg noch rund 4,5 Milliarden Euro Umsatz und das nördliche Pendant ungefähr 5,4 Milliarden. Zusammen hätten sie die Größe der Edeka Südwest mit rund elf Milliarden.

Ist die aktuell angestrebte Lösung mit der Aufteilung der – ich sage jetzt mal – Feneberg-Filialmasse – in zwei Betreiber sinnvoll?

Wir erleben schon bei Edeka die Regionalgesellschaft-Struktur. Es gibt eine Zentrale, das ist die erste Zentrale. Dann gibt es die Regionalgesellschaft, das ist die zweite Zentrale. Und wenn jetzt darunter Einheiten entstehen, wie es bei Feneberg eben der Fall war, die noch einmal eine Zentrale haben, dann hat man drei Zentralen, die natürlich alle Geld kosten. Deshalb glaube ich beispielsweise, dass Edeka erfolgreicher ist, wenn die dritte Ebene aus einem selbstständigen Kaufmann besteht, der einen oder vielleicht mehrere Märkte hat. Aber wenn die Verwaltung des selbstständigen Einzelhändlers so groß wird, dass sie beginnt, sich mit sich selbst zu beschäftigen, entstehen überflüssige Kosten.

Bei der aktuellen Lösung soll es ja einerseits weiter Feneberg-Märkte geben, betrieben von der LEH Allgäu GmbH, und die zu Rewe umgeflaggten Märkte. Also wird es nicht unkomplizierter.

Ja. Das ist das Problem. Ich halte dieses Konstrukt für auf die Dauer nur bedingt überlebensfähig.

Warum?

Einen größeren Gefallen hätte man sich getan, wenn man komplett an Rewe oder Edeka verkauft hätte – einfach, weil Strukturen und Kleinteiligkeit Geld kosten. Eine eigene Profilierung der Feneberg-Märkte der LEH Allgäu GmbH kostet Geld für Eigenmarken, Marketing, Kommunikation… Es geht einfach darum, dass man die Zwischenstrukturen zwischen einer Region und den Märkten ganz schlank hält. Wenn man auf den Handel schaut, erleben wir ja, dass es für kleine Einheiten schwierig ist, sich im Markt profitabel zu behaupten. Tegut hatte zuletzt 1,3 Milliarden Euro Umsatz, Tengelmann zuletzt rund 1,6 Milliarden. Beide sind vom Markt verschwunden.

Was bedeutet die Entwicklung im Allgäu für die Handelslandschaft in Deutschland insgesamt?

Die Machtverhältnisse zwischen Edeka und Rewe werden etwas verschoben, aber aus Bundesperspektive nicht schwerwiegend. Edeka übernimmt ja nun viele Tegut-Märkte. Für Edeka Südbayern ist es tatsächlich schwierig. Es ist eben die Frage, ob Fusionsdruck entsteht.

Hätte das Kartellamt einer Komplettübernahme durch die Rewe eventuell nicht zugestimmt?

Das ist schwer abzuschätzen, könnte aber ein Grund für das ungewöhnliche Konstrukt einer Teil-Übernahme von Filialen durch Rewe und der Belieferung der LEH Allgäu GmbH sein.

Prof. Dr. Stephan Rüschen ist Studiengangsleiter und Professor für Lebensmittelhandel und Retail Management an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn.

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