Zuckerfrei statt Vollzucker: Der Getränkekonzern Coca-Cola beobachtet einen tiefgreifenden Wandel im Getränkemarkt. Martin Rath, Director Key Account Handel, Coca-Cola Europacific Partner, sieht eine steigende Nachfrage nach zuckerfreien Getränken. In einem Vortrag bei der MLF-Tagung in Recklinghausen machte er deutlich, dass weitere Verschiebungen im Sortiment erwartet werden können. Eine mögliche Zuckersteuer in Deutschland könnte diese Entwicklung zusätzlich beschleunigen.
Zuckerfrei gewinnt an Bedeutung
Die Konsumgewohnheiten verändern sich. Verbraucher wollen sich laut Rath nicht mehr zwischen Preis und Premium, Gesundheit und Genuss oder Alltag und Spontanität entscheiden. Stattdessen steigt die Nachfrage nach Produkten, die unterschiedliche Bedürfnisse miteinander verbinden.
Diese Entwicklung zeigt sich auch in den Getränkekategorien. Während Energy-Drinks, Sportgetränke und funktionale Wasserangebote wachsen, verändern sich die Anforderungen an die Regalgestaltung. Wasser mit Elektrolyten, Ballaststoffen oder Geschmack erweitert das klassische Sortiment aus stillem, Medium und sprudelndem Wasser.
Auch bei Energy-Drinks nimmt der Anteil zuckerfreier Varianten zu. Rath verweist auf einen wachsenden Zero-Anteil und die zunehmende Bedeutung dieser Produkte, insbesondere bei jüngeren Konsumenten.
Coca-Cola setzt auf Zero-Varianten
Für Coca-Cola ist die Verschiebung von Vollzucker- zu zuckerfreien Produkten ein zentraler Bestandteil der Portfoliostrategie. Während die klassische Coca-Cola-Variante Marktanteile verliert, entwickelt sich Coca-Cola Zero Sugar positiv. Die zuckerfreie Alternative soll einen Teil der Rückgänge auffangen.
Auch bei den Marken Monster Energy und Sprite arbeitet das Unternehmen an einer stärkeren Positionierung zuckerfreier Produkte. Rath betont, dass der Geschmack bei möglichen Rezepturanpassungen im Mittelpunkt bleiben müsse.
Gleichzeitig verändern sich die Verpackungspräferenzen: Kleinere Haushalte und der Trend zu kleineren Gebinden führen zu einer steigenden Nachfrage nach Einzel- und Kleingebinden, während klassische Großpackungen unter Druck geraten.
Zuckersteuer in Deutschland: Coca-Cola bereitet sich vor
Eine mögliche Zuckersteuer könnte den Wandel im deutschen Getränkemarkt verstärken. Rath verweist auf Modelle in Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Polen. Die konkreten Regelungen unterscheiden sich dabei.
Für Deutschland rechnet Coca-Cola mit möglichen Auswirkungen auf Preise, Rezepturen und Kaufentscheidungen. Rath geht davon aus, dass eine Zuckerabgabe keine grundlegende Trendumkehr auslösen, sondern bestehende Entwicklungen beschleunigen könnte. Als Beispiel nennt er Frankreich, wo sich der Anteil zuckerfreier Getränke nach Einführung einer Zuckersteuer verändert habe, während einzelne Getränkesegmente unterschiedlich auf die Anpassung reagierten.
Getränkemarkt vor weiterer Verschiebung
Für den Handel bedeutet das, Regale und Sortimente stärker an veränderten Konsumbedürfnissen auszurichten. Rath sieht trotz möglicher Belastungen durch eine Zuckersteuer weiterhin Potenzial für Innovation, Wertschöpfung und Wachstum in der Getränkekategorie.
Die Botschaft von Coca-Cola: Der Wandel hin zu zuckerfreien Getränken ist bereits im Gange. Die Frage sei weniger, ob sich der Markt verändert, sondern wie schnell und in welchem Umfang.






