Temperaturen jenseits der 40-Grad-Marke und eine anhaltende Trockenheit – diese Mischung macht Landwirten in ganz Europa zu schaffen. Die Konsequenz: Geringere Ernten und Versorgungsengpässe im LEH. Doch es gibt auch Gewinner des Hitzesommers. Die wichtigsten Entwicklungen im Überblick:
Kartoffel: Pommes-Frites in Gefahr
Die kartoffelverarbeitende Industrie, die im Branchenverband BOGK vertreten ist, rechnet für die anstehende Hauptkartoffelernte mit einem deutlich geringeren Ertrag und damit weniger Rohware. Kartoffeln sind als flachwurzelnde Pflanzen auf regelmäßige und ausreichende Niederschläge angewiesen. Experten innerhalb der Industrie verdeutlichen nun, dass die Bestände deutlich unter der Trockenheit leiden und teilweise auch schon irreparabel geschädigt sind. Die Situation führt auch zu einer deutlichen Verknappung von größeren Kartoffelknollen, die gerade für die Pommes-Frites-Produktion erforderlich wären.
Geringste Apfelernte seit 2017
Nach Frost, Hagel, Starkregen und regionaler Trockenheit wird die EU-Apfelernte 2026/27 auf rund 9,5 Millionen Tonnen geschätzt. Laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) dürfte sie damit die niedrigste Erntemenge seit 2017 erreichen. Stark betroffen seien die Anbaugebiete in Mittel- und Osteuropa. Auch in Westeuropa wird ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr erwartet.
Relativ stabil zeigt sich dagegen die Situation in den südeuropäischen Anbauländern. Trotz der kleineren neuen Ernte ist die Versorgung im Herbst laut AMI zunächst gesichert. Aus der Saison 2025/26 stehen noch Bestände zur Verfügung, deren Vermarktung bis zum Oktober reichen dürfte.
Begrenzte Mengen bei Tomaten
Nach Angaben des AMI fallen derzeit auch die Erntemengen bei Tomaten witterungsbedingt deutlich geringer als im saisonüblichen Rahmen aus. Die hohen Temperaturen hätten die Bestäubung gestört. In den kommenden Wochen (Stand: Anfang September) wird weiterhin mit schmaleren Angebotsmengen zu rechnen sein.
Auf der Gegenseite bleibt das Absatztempo lebhaft. Bei der sommerlichen Wetterlage stehen Tomaten beim Endkunden hoch im Kurs. Die Ferienzeit zeigt zwar Auswirkungen, und es kann nicht an die Spitzenverkäufe der ersten Juliwochen angeschlossen werden. Dennoch fließt die Ware zügiger als im Vorjahr ab.
Run auf Melonen
Angesichts der hohen Temperaturen stieg der Konsum von Wassermelonen. Bereits ab Ende Juni legte jeder zweite Shopper die Frucht in seinen Einkaufskorb. Spanien und dort vor allem die Provinz Almeria sind die Hauptlieferanten für Wassermelonen im deutschen LEH. Fast 40 Prozent der aus Almeria exportierten Wassermelonen gehen nach Deutschland. Aufgrund der aktuellen Nachfrage müssen jedoch viele Lieferanten passen. Nun liefern andere Länder: Marokko, Brasilien, Costa Rica und Mauretanien gehören zu den weiteren großen Wassermelonenlieferanten für die EU-Märkte und auch für Deutschland.
Gesunde Trauben
Einen positiven Effekt der anhaltenden Hitzewelle spüren indes die deutschen Winzer. Mit einem Lesestart in der zweiten Augustwoche begann die Traubenernte für den Jahrgang 2026 laut dem Deutschen Weininstitut (DWI) rund eine Woche früher als im Schnitt der letzten fünf Jahre. Die Lese für Sektgrundweine hat ebenfalls schon Mitte August begonnen und ist nahtlos in die Ernte frühreifer Rebsorten für die Weinbereitung übergegangen.
Dank der trocken-heißen Witterung der letzten Wochen erfreuen sich die Trauben in allen deutschen Anbaugebieten bester Gesundheit. Die Verbraucher können sich von daher auf sehr aromatische und fruchtbetonte Federweiße aus heimischen Regionen freuen, betont das DWI.
Deutlich weniger Getreide
Mit einem Minus von sieben Prozent erwartet der Deutsche Bauernverband (DBV) eine spürbar geringere Getreideernte als im Vorjahr. Der Ertrag über alle Getreidearten liegt mit 68,9 dt/ha um neun Prozent unter dem Vorjahr. Prägend seien ein zu trockenes Frühjahr und eine Hitzewelle in der zweiten Junihälfte während der Kornfüllungsphase gewesen, die vielerorts zu Notreife geführt habe.






