Alois Rainer, Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), hat den amtlichen Erntebericht 2026 vorgestellt und dabei von einer Krise von nationaler Tragweite gesprochen. Neben regional teils erheblichen Ernteausfällen setzen vor allem steigende Produktionskosten, gestörte Lieferketten sowie die Folgen internationaler Krisen die Betriebe unter Druck. Rainer kündigte Maßnahmen für die Liquiditätssicherung der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe sowie der Fischereiwirtschaft in Deutschland an. „Die Erntezahlen allein erzählen nicht die ganze Geschichte. Sie dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, wie ernst die Lage auf vielen Höfen tatsächlich ist“, sagt Rainer.
Getreideernte fällt deutlich geringer aus
Die Getreideernte 2026 wird nach vorläufigen Zahlen rund 37,4 Millionen Tonnen erreichen. Das entspricht einem Rückgang von 7,3 Prozent gegenüber dem guten Vorjahr. Beim Winterweizen wird ein Minus von 10,4 Prozent erwartet, beim Winterraps ein Minus von 11,5 Prozent. Für späte Kulturen (Zuckerrüben, Körnermais, Kartoffeln, Hopfen etc. sowie Futterbau mit Grünland und Silomais) ist die Ernte im September noch nicht abgeschlossen – vorläufige Schätzungen lassen aber hohe Ertragsverluste in vielen Regionen befürchten.
Regional fallen die Unterschiede deutlich aus. Bei der Getreideernte muss der Süden starke Verluste hinnehmen: In Bayern liegt die Ernte mit minus 8,6 Prozent deutlich unter dem mehrjährigen Durchschnitt.
In Mecklenburg-Vorpommern, dem größten Rapsanbauland, werden die Hektarerträge, vor allem durch Insektenschäden, voraussichtlich rund 25 Prozent unter dem mehrjährigen Durchschnitt liegen.
Extrem angespannt ist die Lage auch beim Futter: Im Süden und Südwesten ist auf vielen Wiesen nach dem ersten Schnitt kaum noch Gras nachgewachsen. Viele Betriebe mussten deshalb schon im Sommer an ihre Futterreserven gehen. Das macht sich auch bei den Preisen bemerkbar: Heu hat sich allein im August bundesweit um 17 Prozent verteuert.
Bund plant Liquiditätshilfen
Um die Betriebe zu stabilisieren, will das BMLEH einen Liquiditätsrahmen von insgesamt rund einer Milliarde Euro schaffen. Unter anderem soll das bestehende Liquiditätshilfeprogramm der Landwirtschaftlichen Rentenbank um 300 Mio. Euro auf ein Darlehensvolumen von 500 Mio. Euro aufgestockt werden.
Ein weiteres Programm mit niedrigeren Zinsen und längeren Laufzeiten ist laut Ministerium in Vorbereitung. Hinzu kommen geplante Hilfen bei gestiegenen Dünger- und Energiekosten.
Darüber hinaus setzt sich das BMLEH für eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage, eine Verlängerung der Gewinnglättung und die Förderung von Mehrgefahrenversicherungen ein. Auch für den Waldumbau und den Schutz der Wälder sowie für die von hohen Energiekosten belastete Fischerei sind weitere Maßnahmen vorgesehen.






