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Jede neunte Zigarette stammt aus dem Schwarzmarkt

55 Milliarden illegale Zigaretten, 22 Milliarden Euro Steuerschaden und ein rasanter Anstieg von Fälschungen: Der illegale Tabakmarkt wächst in Europa weiter. Deutschland bleibt vergleichsweise stabil, doch auch hier nehmen illegale Strukturen und finanzielle Schäden zu.

Mittwoch, 10. Juni 2026

Schmuggelzigaretten im Kotflügel.Foto: © Generalzolldirektion

Von Marcelo Crescenti

Der illegale Zigarettenhandel in Europa hat 2025 ein neues Rekordniveau erreicht. Das geht aus der aktuellen KPMG-Studie zum Konsum illegaler Zigaretten, erhitzter Tabakprodukte und oraler Nikotinprodukte hervor.

Demnach wurden in 38 europäischen Ländern insgesamt 55,3 Milliarden illegale Zigaretten konsumiert – ein Anstieg von 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Den Staaten entgingen dadurch Steuereinnahmen von rund 22,4 Milliarden Euro. Damit ist inzwischen jede neunte in Europa konsumierte Zigarette illegal.

Mehr illegale Fabriken

Besonders dynamisch entwickelt sich der Markt für Fälschungen. Europaweit stieg die Zahl gefälschter Zigaretten innerhalb eines Jahres um 13 Prozent auf 24,7 Milliarden Stück. Gleichzeitig verändern sich die Strukturen der organisierten Kriminalität. Produktions- und Lieferketten werden zunehmend aufgespalten, während illegale Fabriken verstärkt auch in Westeuropa entstehen. Mehr als 100 solcher Produktionsstätten wurden im vergangenen Jahr in Europa entdeckt.

Deutschland weist mit einem Anteil von 2,5 Prozent weiterhin einen vergleichsweise kleinen illegalen Zigarettenmarkt auf. Dennoch steigt die absolute Menge der konsumierten Schmuggel- und Fälschungsware. Sie nahm von 1,7 auf 1,9 Milliarden Zigaretten zu. Die daraus resultierenden Steuerausfälle stiegen um 85 Millionen Euro auf insgesamt 486 Millionen Euro.

Auffällig ist zudem der wachsende Anteil gefälschter Produkte, die inzwischen fast ein Drittel des illegalen Marktes ausmachen. Deutschland gilt mittlerweile als siebtgrößter Markt für illegale Zigaretten in Europa und gewinnt zugleich als Transit- und teilweise auch als Produktionsstandort an Bedeutung.

Große Preisunterschiede

Als wesentliche Ursache für den wachsenden Schwarzmarkt nennt die Studie die teils erheblichen Preisunterschiede zwischen europäischen Ländern. Diese fördern grenzüberschreitende Käufe und schaffen Anreize für illegale Handelsstrukturen. Besonders deutlich zeigt sich dies auch bei Tabaksticks für Tabakerhitzer. In Deutschland wurden 34 Prozent der konsumierten Produkte nicht im Inland versteuert – einer der höchsten Werte in Europa.

Erstmals untersucht die Studie zudem den Markt für orale Nikotinprodukte. Demnach sind 91,9 Prozent der in Deutschland konsumierten Produkte nicht verkehrsfähig. Dazu zählen vor allem tabakfreie Nikotinbeutel und Snus. Trotz fehlender regulärer Vertriebsmöglichkeiten sind diese Produkte laut Erhebungen weiterhin breit im Handel verfügbar. Experten sehen darin regulatorische Lücken, die den Schwarzmarkt zusätzlich begünstigen.

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