Die Nachfrage nach Geflügelfleisch in Deutschland dürfte weiter steigen. Eine aktuelle Studie von Roland Berger im Auftrag des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) erwartet bis 2040 ein jährliches Wachstum von 2,1 bis 2,5 Prozent. Bei Hähnchenfleisch könnte die Nachfrage sogar um bis zu 3,4 Prozent pro Jahr zunehmen.
Geflügel gewinnt weiter an Bedeutung
Schon in den vergangenen Jahren hat sich Geflügel gegen den rückläufigen Fleischkonsum entwickelt. Während der gesamte Fleischverbrauch pro Kopf zwischen 2010 und 2025 um rund 12 Prozent sank, stieg der Geflügelkonsum um 28 Prozent auf etwa 22 Kilogramm. Bei Hähnchenfleisch fiel das Plus mit 62 Prozent noch deutlicher aus. Das entspräche gut 50 Prozent mehr Marktvolumen bis 2040.
Die Studie führt die Entwicklung unter anderem auf den hohen Proteingehalt, die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten und den vergleichsweise niedrigen CO2-Fußabdruck von Geflügel zurück. Zwischen 2010 und 2040 könnte der Trend zu mehr Geflügelfleisch laut Roland Berger rund 25 Prozent CO2-Emissionen einsparen.
Produktion hält mit Nachfrage nicht Schritt
Der wachsende Appetit auf Geflügel trifft allerdings auf eine heimische Produktion, die deutlich langsamer wächst. Zwischen 2010 und 2025 legte der Verbrauch um 28 Prozent zu, die Bruttoeigenerzeugung dagegen nur um 9 Prozent. Der Selbstversorgungsgrad könnte dadurch bis 2040 von derzeit 91 Prozent auf 73 bis 77 Prozent sinken.
Auch die Importe haben bereits deutlich zugenommen: Der Importüberschuss stieg von 55.000 Tonnen im Jahr 2014 auf 462.000 Tonnen 2025. Aus Sicht des ZDG braucht es deshalb mehr Kapazitäten im Inland.
„Die Branche ist bereit, eine Milliarde Euro und mehr in zusätzliche Kapazitäten und moderne Ställe zu investieren“, sagt ZDG-Geschäftsführer Wolfgang Schleicher.
Vier Ansatzpunkte für mehr Produktion
Roland Berger sieht vor allem bei Genehmigungen, Bürokratie, der Sichtbarkeit heimischer Herkunft und den Wettbewerbsbedingungen in Europa Handlungsbedarf. Schnellere Genehmigungsverfahren und digitale Verwaltungsprozesse sollen Investitionen erleichtern. Gleichzeitig könnten klare Herkunftskennzeichnungen und vergleichbare Standards innerhalb der EU die Wettbewerbsposition deutscher Erzeuger stärken.
Ziel sei laut Studie nicht eine Abschottung des Marktes, sondern ein stärkeres Zusammenspiel von internationalem Handel und leistungsfähiger heimischer Produktion.






