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"Fairtrade funktioniert Mainstream"

Das Corona-Jahr hinterlässt beim fairen Handel mit leichtem Umsatzrückgang Spuren. Den Jahresbericht 2020 von TransFair erläutert CEO Dieter Overath mit dennoch positivem Fokus im Gespräch mit der RUNDSCHAU.

Von Sibylle Menzel | Fotos: Ilkay Karakurt

"Wir haben eine Corona-Delle, der Zuspruch der Verbraucher für Fairtrade-Produkte ist aber ungebrochen", kommentiert Dieter Overath, Vorstandsvorsitzender von TransFair e.V. (Fairtrade Deutschland) den heute veröffentlichten Jahresbericht gegenüber der RUNDSCHAU. Insgesamt haben Konsumenten 2020 in Deutschland 1,94 Milliarden Euro für Fairtrade-Produkte ausgegeben, daraus ergibt sich ein leichter Umsatzrückgang von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

"Wir waren in den letzten Jahren extrem stark im Außer-Haus-Bereich, wie zum Beispiel in Bäckereien und der Verkehrsgastronomie, in Betriebskantinen. Diese Stärke schlägt natürlich zurück, wenn alles zu ist", erklärt Overath die Einbrüche vereinzelter Produktbereiche in Zeiten des Lockdowns.

Verschiedene Produktkategorien profitierten hingegen vom verstärkten Konsum zu Hause: Mit einem Absatzplus von rund sechs Prozent (über 24.000 t) hat sich beispielsweise Fairtrade-Röstkaffee durch gestiegene Verkäufe im Einzelhandel positiv entwickelt, sein Marktanteil steigt damit auf fünf Prozent. 

Fairtrade-Zucker legte um 31 Prozent zu (7.700 t), auch der Absatz von Fruchtsaft (+4%, 16,5 Mio. l) ist erfreulich, ebenso von Blumen (+7%, 507 Mio. Stiele): "Jede dritte Rose ist Fairtrade", so Overath, "Blumen mit 33 Prozent Marktanteil sind der Beweis: Fairtrade funktioniert Mainstream."

Die Entwicklung weiterer Produktgruppen: Fairtrade-Kakao fährt 2020 mit einem Gesamtabsatz von fairen Kakaobohnen über alle Kategorien hinweg einen leichten Verlust von drei Prozent ein (76.400 t). Bei Fairtrade-Bananen wird mit einem Minus von 14 Prozent (knapp 118.000 t) der erste Absatzverlust in diesem Segment nach 1999 verzeichnet. Ausschlaggebend hierfür waren nach der Beobachtung von TransFair die Entscheidung von Verbrauchergruppen für günstigere Preiseinstiegsbananen, außerdem die Produktions-, Ernte und Transportausfälle im Süden.

"Die Entwicklung zeigt", zieht Dieter Overath Fazit, "dass Fairtrade kein exterritoriales Wesen außerhalb des Konsums ist, es gibt die Parallelität zwischen Aspekten wie Out-of-Home-Konsum oder Preiskämpfen – und dem Trend zu mehr Nachhaltigkeit, der unverdrossen weitergeht. Hier ist Fairtrade ein wichtiger Parameter. Die Zeit arbeitet für uns."

Auch der Lebensmittelhandel trage zu der insgesamt positiven Entwicklung bei, führt Overath weiter aus, indem immer mehr Handelsmarken auf Basis fairer Rohstoffe ins Angebot kommen.

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